Craftbeer vs. Industriebier

oVja4l6ZSomIqdjHh%2K8QIn der letzten Woche habe ich auf Facebook eine Diskussion verfolgt und bekam Kinnlade nicht mehr gerichtet. Eine Frau hat mitbekommen, dass die Brauerei Beck & Co ihr Pils in Dosen bei „Premiumveranstaltungen“ im Design einer Sektflöte (nähere Erklärungen gibt es hier) angeboten wird und sie wollte wissen, wie man an so eine Dose kommt. Was die junge Frau dort erlebt hat, war ein beispielloser Shitstorm. Wie kann man nur auf einer Craftbeer-Seite nach Produkten eines Konzerns fragen, dass nur „Industrieplörre“ herstellt. Ich musste an die Steinigung von das „Leben des Brian“ von Monty Python denken: „Wer hat hier Jehova gesagt?“

Das erinnert an einen Lagerkampf. Jedoch fehlt mir da das Verständnis. Grundsätzlich trinke ich auch gerne ein IPA und freue mich, wenn ich ein neues Bier entdeckt habe. Aber wie da die Craftbeer-Nerds austicken, wenn man nur Interesse an einem Produkt einer „Fernsehbrauerei“ zeigt, ist meines Erachtens deutlich übertrieben. Verhaltensauffällig zeigen sich da aber die Nerds, denen man glatt zuschreiben kann eine Aussage wie diese hier: „Ich kann in dem Gelüst der Braukunst den Furz eines vorbeilaufenden Eichhörnchens riechen.“

Ok, das ist nun übertrieben. Aber die meisten Biere haben ihre Daseinsberechtigung. Ein Öttinger ist geschmacklich nicht meins, aber das ist ein Bier, das sich auch Menschen mit einem geringen Einkommen leisten können. Ein Export der Dortmunder Union hat für den geringen Preis einen wunderbaren Geschmack. Ein Beck’s zische ich mir auch gerne weg, wenn es eiskalt ist und es gerade passt und ich nichts anderes bekomme. Aktuell trinke ich ein Benediktiner Weißbier. Geschmacklich unspektakulär, aber zu meiner jetzigen Tätigkeit ausreichend, denn es lenkt nicht ab. Und wer kauft sich nicht für den Heimweg von einer Fete an der Tanke ein Bier?

Bei der Craftbeer-Gemeinde kann leicht der Eindruck entstehen, dass sie kein anderes Bier anrühren und kein anderes Bier akzeptieren. Auch nicht bei einer Familienfeier? Am Geburtstag meiner Schwiegermutter am letzten Samstag war ich froh, dass mein Schwiegervater neben dem Krombacher noch Königs Pils gekauft hat. Nur zur Info: Ich trinke kein Krombacher. Einmal aus geschmacklichen Gründen, aber auch besonders aufgrund der aktuellen Nachricht, das die Brauerei aus Krombach mit Nestlé geschäftlich verbunden sind.

Wenn ich in einem Restaurant Essen gehe, freue ich mich wie ein kleines Kind, wenn es dort Jever- oder Stauder-Pils aus dem Fass gibt. Eine sehr große und eine weniger große Brauerei, die Bier mit Ecken und Kanten anbietet. Etwas besseres kann es doch zu einem guten Essen nicht geben.

Leute, entspannt euch. Wir unterhalten uns hier immer noch über eines der ältesten und in der Regel saubersten Lebensmittel der Welt. Wir unterhalten uns hier in der Regel über Geschmäcker. Für viele ist es auch eine Philosophie. Man kann seine Meinung haben, aber der persönliche Angriff ist bescheuert

 

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1 Comment

  1. Bei mir ist es ein bisschen andersrum. Nachdem ich fast keine Biere mehr getrunken habe (Altbier ist ja quasi der Champagner der Stadt), bin ich bei den Craftbieren gelandet und das hat mir Lust auf Bier gemacht. Mittlerweile ist mir vieles einfach nur zu hopfig oder hatte diese Biere hatten Geschmacksnoten, die ich nicht gut fand. Jetzt trinke ich häufig auch wieder gute „normale“ Biere. Ein Stauder ist immer gerne dabei.

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